Tag: 21. Mai 2019

Kieler „Thesen“ zum Sportuntericht

Der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) hat auf seiner Bundestagung am 17./18.5.19 in Kiel die Kieler ‚Thesen’ zum Sportunterricht verabschiedet. Mit diesen fünf Thesen reagiert der Verband, der sich für die Sicherstellung und Verbesserung der Bedingungen von Sportunterricht und Schulsport einsetzt, entschlossen auf besorgniserregende Aspekte des Schulsports.
Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig. Dies führt nachweislich zu einer schlechteren motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. Darüber hinaus ist festzustellen: Heranwachsende aus sozial benachteiligten oder von Armut
bedrohten Familien nehmen an sportlichen Angeboten deutlich seltener teil und erzielen schlechtere motorische Ergebnisse. Studien zeigen, dass im Vergleich zu vor dreißig Jahren die motorisch starken Heranwachsenden heute noch besser, die weniger leistungsfähigen Heranwachsenden noch schwächer sind.
Die flächendeckende Versorgung mit Sportstätten und Schwimmhallen sowie ihre Ausstattung fallen regional sehr unterschiedlich aus. Um allen Kindern und Jugendlichen qualitativ und quantitativ angemessene Sportangebote machen zu können, sind den kommunalen Trägern Mindeststandards an die Hand zu geben.
Sport soll es auf vielen Feldern richten: Sport gegen Gewalt, für soziales Miteinander und Verständigung, für Fairnesserziehung, für Integration und Inklusion, für Gesundheit und vieles mehr. Hierfür müssen Sportlehrkräfte vielfältig ausgebildet sein, doch es fehlen vor allem in der Grundschule qualifizierte Lehrkräfte.
Der DSLV beabsichtigt keine Hierarchisierung von Unterrichtsfächern nach ihrer Wichtigkeit. Mit Nachdruck muss aber auch einer Entwertung von Sportunterricht als weniger wichtigem Nebenfach entgegengesteuert werden. Nur der Sportunterricht erreicht alle Kinder und Jugendliche und bietet die Chance, Sport und Bewegung als freudvolle, gemeinschafts- und persönlichkeitsstärkende Tätigkeit erlebbar zu machen. Damit fördert Sportunterricht einen Weg in unsere vielfältige Sport und Bewegungskultur
und eröffnet die Entwicklung eines individuellen persönlichkeits- und gesundheitsfördernden Selbstkonzeptes.
Die Wichtigkeit der Thematik ist gesellschaftlich unbestritten – allein es tut sich zu wenig. Die verpflichtende dritte Sportstunde ist ebenso wenig Standard wie der Einsatz qualifizierter Sportpädagogen.

Für einen qualitativ hochwertigen Sportunterricht und Schulsport!
Nur der Schulsport bewegt alle Kinder und Jugendlichen!

Bayern, beweg Dich!

Der DSLV Landesverband Bayern hat eine tolle Aktion gestartet: Bayern beweg Dich! Kinder brauchen tägliche Bewegung. Die Weltgesundheitsorganisation beweist minimal für 60 Minuten am Tag – mit mittlerer bis intensiver Intensität. Deswegen fordert der DSLV Bayern mindestens 60 Minuten SchulSportSpaß täglich für jedes Kind in Bayern. Es wird Zeit, dass umgesetzt wird, was unseren Kindern guttut!
Denn: Kinder, die sich viel bewegen, bewegen viel. Bayern, beweg Dich! ist eine Initiative des Deutschen Sportlehrerverbands Bayern e.V.

Weitere Infos: https://www.bayern-beweg-dich.de/

Bewegungsmangel

Die Hauptaufgabe des Sportunterrichts ist nach wie vor die Erschließung der Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur. Sportunterricht muss Kinder und Jugendliche an das Sich-Bewegen und Sporttreiben heranführen, Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln und für das lebenslange Sporttreiben motivieren. Diese von den meisten Sportlehrerinnen und Sportlehrern getragene Aussage wurde insbesondere in der deutschen Sportpädagogik nicht immer geteilt. Dass aber gerade der Bewegungsmangel der heutigen Zeit auch für den Sportunterricht in der Schule als Herausforderung und Auftrag angesehen werden sollte, will ich im Folgenden erläutern. Eine Reihe von jüngst erschienenen Studien hat gezeigt, dass sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu wenig bewegen. Damit wird ein seit mehreren Jahrzehnten andauernder Trend mit erheblichen gesundheitlichen Folgewirkungen bestätigt. An dieser Stelle muss man aber auch festhalten, dass Dr. med. Kenneth H. Cooper vor 50 Jahren mit seinem Buch Aerobics aufgezeigt hat, wie wichtig gerade ein Ausdauertraining für die Gesundheit ist. Er hat damals schon formuliert, was jetzt in den nationalen Bewegungsempfehlungen für Deutschland festgeschrieben worden ist.

http://dslv-saar.de/wp-content/uploads/2019/03/Bewegungsmangel.pdf

Die Rettungskette für den Grundschulsport

Es mag etwas weit hergeholt sein, aber das Bild der Rettungsgasse bringt die Situation des Schulsports in der Grundschule sehr treffend zum Ausdruck. Hier herrscht zurzeit eine Notsituation vor, zu häufig wird Sport „fachfremd“ unterrichtet.
Dies hat verschiedene Ursachen: Zum einen mangelt es an Grundschullehrkräften überhaupt. Zweitens fehlt es speziell an Sportlehrkräften, weil sie wenig wertgeschätzt werden. Dadurch sinke der Anteil der Grundschulstudierenden, die das Fach Sport wählen, von Jahr zu Jahr. Drittens werden Sportlehrkräfte oft als Klassenlehrer eingesetzt und unterrichten dann nur recht wenig Sport.

Brennpunkt zum Thema Grundschulsport

5. Dezember 2019: Sportwissenschaft in der Schule – Gesundheitsbezogene Bewegungskompetenz

In dieser neuen Fortbildungsreihe sollen aktuelle Ergebnisse aus der Schulsportforschung für die Schulsportpraxis aufbereitet werden. Der Bewegungsmangel ist offensichtlich und über die Evidenz des Bewegungsmangels im Hinblick auf Erkrankung, wie z. B. Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes 2, schon bei Kindern besteht Einigkeit.

  • Zur Bedeutung von Bewegung vor dem Hintergrund der nationalen Bewegungsempfehlungen und der realisierten Bewegungsumfänge von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland
  • Die Theorie der Gesundheitsbezogene Bewegungskompetenz
  • Praktische Umsetzung in der Schule

Referenten: Carmen Volk und Stephanie Haible (Uni Tübingen)
Termin: 5. Dezember 2019 (15:00 bis 18:00 Uhr)
Ort: Sportwissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes

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