Tag: 28. Juni 2019

Vorsicht Kopfbälle: Jährliche Hirntests für Bundesliga-Profis

Offensichtlich kann der Profifußball die Gefahren für das Gehirn nicht mehr negieren. Der DSLV Saar hat im Infoheft 1/2016 Angst vor Kopfverletzungen „Lasst Kinder nicht Football spielen“ und im Heft 2/2016 unter dem Titel „Gehirnerschütterungen – eine unterschätzte Gefahr im Sport“ bereits darüber berichtet. Sehenswert auch der Film „erschütternde Wahrheit“ über das Verhalten der amerikanischen Football-Liag. .

Die Deutsche Fußball Liga (https://www.dfl.de/de/aktuelles/baseline-screening-in-bundesliga-und-2-bundesliga-ab-saison-2019-20-verpflichtend/ ) gab jetzt bekannt, dass es eine verpflichtende Überprüfung geben soll, bei der verschiedene Teilbereiche der Hirnfunktion untersucht werden, unter anderem Eigenschaften wie Balance und Merkfähigkeit. Auf Basis der Ergebnisse soll für jeden Spieler ein „Normalzustand“ definiert werden. Bei akuten Kopfverletzungen eines Athleten könne der Mannschaftsarzt durch Messung der Abweichungen zu einer genaueren Diagnose gelangen. Die Sportler sollen erst dann wieder zum Einsatz kommen, wenn die Testergebnisse wieder der sogenannten Baseline entsprechen. Die Schiedsrichter seien informiert, dass die Partie für eine solche Behandlung bis zu drei Minuten unterbrochen werden könne.

Nicht nur Zusammenstöße mit Mitspielern, sondern auch von Kopfbällen geht eine nicht zu unterschätzende Gefahr aus. Der Deutschlandfunk (https://www.deutschlandfunk.de/fussball-die-unterschaetzte-gefahr-der-kopfbaelle.1346.de.html?dram:article_id=416258) berichtet, dass in den USA auch beim Soccer ein Umdenken stattgefunden hat. Vor vier Jahren führte US Soccer als weltweit erster Fußballverband ein Kopfballverbot für Kinder unter elf Jahren ein. Wird dennoch geköpft, gibt es Freistoß für den Gegner an der Stelle des Regelverstoßes. Bei den Elf- bis 13-Jährigen ist die Anzahl der Kopfbälle im Training limitiert. Ob Kopfbälle für Über-14-Jährige ungefährlich sind, wird dabei von Fachleuten negiert.

Mobbing durch Völkerball?

In den letzten Tagen hat eine kanadische Studie, nach der Völkerball als Mobbing bezeichnet wird, für ein gewaltiges Medienecho gesorgt. Alle bedeutenden Medien (FAZ, Deutschlandfunk, Süddeutsche, Stern, Spiegel) haben darüber berichtet. An den Onlineabstimmungen haben Zehntausende teilgenommen.

„Völkerball vermittle die Botschaft, dass es okay ist, den anderen zu verletzten und zu entmenschlichen“, sagte Joy Butler, Pädagogikprofessorin an der University of British Columbia. Lehrkräfte sollten Kindern und Jugendlichen beibringen, Aggressionen zu kontrollieren. Völkerball fördere es aber vielmehr, sie an anderen auszuleben“, schreibt die Süddeutsche Zeitung (https://www.sueddeutsche.de/bildung/voelkerball-mobbing-kanada-1.4501931).

Der Spiegel (https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/voelkerball-sollte-man-das-spiel-aus-der-schule-verbannen-a-1274627.html) fragt: Sollte der Völkerball also aus dem Sportunterricht verbannt werden? Der Spiegel gibt zwei Redakteuren die Möglichkeit, das Pro und Contra sehr ausführlich darzulegen. Nike Laurenz sagt, das Spiel besteht aus Demütigung!
Nike Laurenz beschreibt vier Demütigungslevel

  • Demütigungslevel eins: Das Wählen der Teams.
  • Demütigungslevel zwei: Sich nicht verstecken können.
  • Demütigungslevel drei: Nicht fangen können.
  • Demütigungslevel vier: Abgeworfen werden.

Und Felix Keßler sagt: „Ich habe das Spiel geliebt“. Er spricht von einem Glücksmoment, wenn er einen gut platzierten Ball aus kurzer Distanz doch noch fangen konnte und einen Mitspieler so wieder ins Feld bringen konnte. Er spricht aber auch, den kurzen Ärger über sich selbst, wenn ihn doch noch ein unbemerkt abgefälschter Ball an der Wade streifte. Bei keinem anderen Schulspiel wechselten sich Triumph und Niederlage so schnell ab.

Der Deutsche Turner-Bund (DTB) will die Studie zum Anlass nehmen, das Spiel „kritisch zu betrachten“. „Der DTB versucht Völkerball als faires Spiel zu vermitteln, bei dem es eher um Reaktionsschnelligkeit und das Fangen des Balles in allen Varianten geht, als darum, ‚Unterdrückung‘ auszuüben oder jemanden zu ‚entmenschlichen'“, sagte DTB-Pressesprecher Torsten Hartmann (https://www.sueddeutsche.de/bildung/voelkerball-mobbing-kanada-1.4501931).

DSLV reagiert auf Medienecho

Der DSLV (Bund) hat auf das vielfältige Medienecho reagiert und festgestellt, dass der Diskurs in deutschen Medien die Unkenntnis von modernem, kompetenzorientiertem, multiperspektivischem Sportunterricht, wie er in den meisten Sporthallen heutzutage stattfindet, zeigt. Hier zur Stellungnahme des DSLV: https://www.dslv.de/2019/07/04/mobbing-durch-voelkerball/

Ralf Sygusch, Sprecher der Sektion Sportpädagogik bei der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft

Trotz Kritik an dem im Schulsport weit verbreiteten Völkerball hält ein führender Sportpädagoge das Spiel unter bestimmten Voraussetzungen für vertretbar. Der Lehrer müsse mit den Schülern über die sozialen Aspekte des Spiels sprechen, sagte Ralf Sygusch, Sprecher der Sektion Sportpädagogik bei der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, am Donnerstag. „Wenn das gewährleistet wird, hätte ich überhaupt kein Problem, das zu spielen.“ Zwar sei Völkerball sehr emotional und biete daher das Potenzial zum Mobbing. „Aber das bewusst zu machen, zu sozialer Verantwortung zu erziehen, das ist hier eigentlich die Aufgabe der Lehrkraft.“

Wenn man jemanden mobben wolle, könne man das zwar vermutlich mit Völkerball besser tun als beim Geräteturnen – aber selbst beim Geräteturnen bestehe die Gefahr, dass peinliche Situationen entstünden, in denen sich Schüler übereinander lustig machten oder demütigten. Sein Appell: „Im Sportunterricht wird viel zu viel Sport getrieben, anstatt Sport zum Thema zu machen und darüber nachzudenken, was im Sport passiert.“

Um zu verhindern, dass beim Völkerball die starken die schwachen Schüler demütigen, rät Sygusch: „Die Lehrkraft könnte zum Beispiel zwei Schüler bestimmen, die besonders gut in dem Spiel sind, mit der Aufgabe, zwei gleich starke Mannschaften zu bilden – damit wird Sportunterricht sozial kooperativ und die Schüler müssen sich untereinander verständigen.“

Quelle: https://www.focus.de/familie/mobbing/ist-voelkerball-erlaubtes-mobbing-sportpaedagoge-sieht-verantwortung-bei-lehrern_id_10873711.html

Hier eine umfangreiche, aber dennoch unvollständige Zusammenfassung von Aussagen zum Thema Völkerball: https://dslv-saar.de/wp-content/uploads/2019/07/Pressespiegel.pdf

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